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WIEN. Schuld daran, dass der Wiener Walzer gerade in Wien so einzigartig klingt, ist eine kleine Schlamperei. Typisch wienerisch, könnte man sagen, kommt das zweite Viertel des Drei-Viertel-Taktes einen Tick früher als "normal". An diesem "Schlenzen" des Taktes erkennt man, ob ein Orchester aus Wien ist oder nicht. "Ein Musiker, der
das nicht intus hat, braucht gar nicht fragen, ob er in einem Wiener Ballorchester mitspielen darf. Nur die, die das Handwerk perfekt beherrschen, dürfen bei uns spielen", sinniert Orchesterchef Helmut Steubl.
Seit 25 Jahren steht Steubl jede Ballsaison am Pult seiner beiden Orchester. Das Streichorchester führt der 67-Jährige noch immer selbst, die Bigband hat er heuer an seinen Sohn Wolfgang (43) übergeben. Auf Bällen wie dem Philharmonikerball, dem TC oder dem heute, Montag,
stattfindenden Jägerball haben die beiden eine große Aufgabe: den Ball für das verwöhnte Publikum musikalisch zum Erlebnis zu machen. Punkto Musik hat sich dabei über die Jahrzehnte kaum etwas geändert: "Wir spielen dieselben Stücke wie vor hundert Jahren", sagt Steubl. Von Experimenten beim Streichorchester, das auch mal ganz unklassisch Rumba
oder Slowfox spielt, einmal abgesehen.
Veränderungen merkt der Ballmusiker eher beim Publikum, das in den letzten Jahren jünger geworden ist: "Auf manchen Bällen sieht man so viele junge Menschen, dass es eine Freude ist." Die älteren Semester stehen dafür den jüngeren beim Tanzen nicht nach, wie dem Orchesterchef
auffällt: "Die Leute können heute Figuren tanzen, dass man nur so schaut." Das liege daran, dass viele ältere Tanzfans noch einmal die Tanzschule besuchen - und somit manchem "regulären" Absolventen, der in der Tanzschule eher auf die Mitschüler als auf die Tänze geachtet hat, die Show stehlen.
Auch Pannen kommen beim Musizieren vor: Etwa wenn, wie auf einem Philharmonikerball, durch einen Verständigungs-Fehler der vordere Teil des Orchesters ein anderes Stück spielt als der hintere. "Da kann man dann nur mehr abwinken." Ob das Publikum den Lapsus gemerkt hat? "Ich
glaube nicht. Applaus gab es jedenfalls trotzdem."
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